Startseite -> Themen -> Arbeitszeit -> Neues Sozialwort?
Brauchen wir ein neues Sozialwort der Kirchen?
Den ausführlichen Text finden sie hier zum Download.
Kurzfassung
Das Gemeinsame Wort von EKD und Deutscher Bischofskonferenz „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ von 1997, besser als „Sozialwort der Kirchen“ bekannt, ist offenbar heute an der Basis nur (noch) wenigen bekannt. Dabei hatte es damals viel Lob geerntet und viel auch heute noch Gültiges gesagt. Nur: Die Probleme von damals bestehen immer noch. Gleichzeitig fehlt an der Basis eine aktuelle Wegweisung der Kirche(n) für die teilweise sogar verschärften Problemlagen. Zeit also, über eine Fortschreibung des Sozialwortes nachzudenken - zumal die Kirchen im Jahr 1997 schon die Türen dafür eingebaut hatten: Das Wort sollte “Teil in dem weitergehenden öffentlichen Gespräch“ sein.
Das Sozialwort in allen inhaltlichen Belangen zu überarbeiten, wäre eine sehr umfangreiche Aufgabe und nicht kurzfristig leistbar. Aber für das vielleicht drängendste soziale Problem, das der erschreckend hohen Arbeitslosigkeit, könnte immerhin der Versuch einer Fortschreibung unternommen werden. Überlegungen dazu, worin sich diese vom Stand 1997 abheben sollte, sind im Folgenden kurz angerissen:
- striktes Primat des Leitbildes einer solidarischen Gesellschaft gegenüber ökonomischer Effizienz
- wichtigste Kriterien: Was bringen Maßnahmen für die Schwachen und bzgl. der Senkung der Arbeitslosigkeit sowie für die kommenden Generationen?
- Behandlung der Frage: Haben wir Verteilungskrise oder Wirtschaftskrise?
- Priorität von qualitativem gegenüber quantitativem Wachstum
- Mut zur Unausgewogenheit, wie auch die Bibel unausgewogen ist
- Berücksichtigung neuerer oder verdrängter Befunde (wie z.B. dass bei allgemeiner Arbeitszeitverkürzung die Nettolöhne nur relativ wenig sinken oder dass das nachgefragte Arbeitsvolumen tendenziell sinkt)
- Erörterung der Fragen der optimalen Arbeitszeit und der Folgen allgemeiner Arbeitszeitverlängerung für die Arbeitslosigkeit
- Berücksichtigung, dass „konkurrierende“ Wege aus der Arbeitslosigkeit Sackgassen sind, wenn alle sie anwenden (z.B. alle länger arbeiten, alle die Löhne senken)
- Widerspruch gegen den Vorwurf, dass Teilen von Arbeit zur Armut führen müsste
- Benennung von hemmenden und förderlichen Faktoren für die Umverteilung von Arbeit und daraus Erarbeitung von Vorschlägen, wie die Chancen für Umverteilung verbessert werden können (einschließlich Grundsicherung)
- Benennung der Voraussetzungen für reale, nicht nur ehrende Anerkennung von Erziehungsarbeit und gemeinnütziger Arbeit als wichtiger zusätzlicher Arbeitsfelder
- am christlichen Wertebild orientierte Positionierung zur Verlagerung von Arbeitsplätzen in ärmere Länder
Wenn es anhand dieser Punkte zur streitbaren Diskussion käme und damit die Lethargie oder scheinbare Resignation der Kirchen gegenüber den beängstigenden sozialen Entwicklungen durchbrochen würde, wäre schon viel erreicht. Machen wir uns aber nichts vor: Wir selbst sind Kirche, nicht nur die Pfarrer und Bischöfe. Ergreifen wir also selbst das Wort und mischen uns (in den Prozess) ein. Das ist allemal besser, als nur abzuwarten, was alles noch Schlimmes passiert. Und denken wir daran, wenn wir im Vaterunser „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe“ beten, dass Gott dazu unsere persönliche Beteiligung braucht.
Wortmeldungen zur Fortschreibung des Sozialworts bitte an werner.schmiedecke@onlinehome.de.
Hinweis: Der volle Text „Brauchen wir ein neues Sozialwort der Kirchen?“ liegt zum Katholikentag (16.-20.06.2004 in Ulm) am KAB-Stand aus. Außerdem wird die Nutzung des Diskussionsforums der KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung Deutschlands) unter www.kab.de erwogen.
|